Facebook Twitter
 

junge ohren preis 2009: Die Preisträger


junge ohren preis "best practice"


Beinahe Peter und der Wolf (Theater Hagen und Oberlinschule Volmarstein)

Das Projekt "Beinahe Peter und der Wolf" ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Theater Hagen (orchesterhagen, LUTZ junge Bühne Hagen) und der Oberlinschule der Evangelischen Stiftung Volmarstein, Primarstufe/Sek. I (Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung). Diese Kooperation besteht seit 2007.



Ausgehend von der Musik und Geschichte „Peter und der Wolf“ finden über den Zeitraum eines Dreivierteljahres vielschichtige Workshops, Ausflüge und Aktionen statt, die den Kindern ihrem Entwicklungsstand und Lerntempo angemessene Zugänge sowohl zu den musikalischen Inhalten und den Instrumenten, als auch zu der Geschichte von Peter und dem Wolf vermittelt. Die Kinder werden zudem selbst kreativ, und es werden Wege gefunden, eine eigene Darstellung der Geschichte umzusetzen.

Es entsteht parallel dazu eine DVD, die nicht allein das Projekt dokumentiert, sondern darüber hinaus ein eigenständiges künstlerisch-mediales Format darstellt und eine eigene Geschichte erzählt, indem die Ausschnitte aus der Workshoparbeit dramaturgisch geschickt aneinandergefügt werden, dass parallel eine interessante Erzählung verfolgt werden kann. Es gelingt, die z.T. schwer behinderten Kinder zu Darstellern werden zu lassen, die ihren Witz, ihre Kreativität und Begeisterung einbringen. Die ästhetische Sprache des Projekts ist eindeutig eine künstlerische und hält Distanz zu soziokulturellen oder therapeutischen Feldern. Der Wert der DVD als medialem Format im Rahmen des Projekts liegt darin, dass sie für die Kinder eine nachhaltige Brücke zu ihrer Auseinandersetzung mit "Peter und der Wolf" herstellt. Trotz einfachster filmischer Mittel entsteht ein professionell geführter Film, der auch für ein Publikum interessant ist, das nicht in irgendeiner Weise am Projekt selbst partizipiert hat.

Nicht zuletzt ist der Film ein herausragendes Beispiel für Musikvermittler und Pädagogen – auch über die Arbeit mit behinderten Menschen hinaus.
Das Projekt ist mit einer Förderklasse entstanden, in seiner Behutsamkeit, Langfristigkeit und Nachhaltigkeit aber auch übertragbar auf Kooperationen mit Kita und Grundschule.

Profilseite des Theaters Hagen auf junge ohren.com
Website des Theaters Hagen
Beitrag der Sendung Tonart (WDR)

Fealan - Winterthur schreibt eine Oper (Musikkollegium Winterthur)


Das Projekt "Fealan - Winterthur schreibt eine Oper" bindet 800 Schülerinnen und Schüler zwischen 7 und 17 Jahren in einen 16monatigen kreativen Prozess ein, an dessen Ende ein komplettes Musiktheaterstück steht.



Die Projektteilnehmer übernehmen in allen Bereichen (Text, Musik, Schauspiel, Gesang, Bühnenbild und Kostüme sowie mediale Berichterstattung) die inhaltliche Hauptverantwortung. Schulklassen aus zwanzig Schulhäusern sind eingebunden, sodass das Projekt in ganz Winterthur (100.000 Einwohner) quer durch alle Bildungsschichten zum Thema wird. Ein Team von vierzehn Fachcoaches aus unterschiedliche Bereichen betreut und begleitet die jungen Musiktheatermacher bei ihrer Arbeit, ohne jedoch die Kreativität der Schüler zu steuern. Ziel des Projektes war es, eine  Erlebnisraum für Kunst und Kultur als kreative Teamerfahrung zu schaffen. Es sollten Zugänge zur Welt des Musiktheaters geöffnet werden, die nicht von Ehrfurcht, sondern vom Erleben der eigenen Partizipation geprägt sind.



Ein bemerkenswertes Großprojekt, das in beispielhafter Weise aktivierend ist: 100 Kinder waren eingebunden in den Kompositionsprozess, haben Melodien ausgedacht, orchestriert und die Proben begleitet. 120 Kinder waren im Chor und insgesamt 350 Kinder singen auf der Bühne, das Schülerteam ist in alle Gewerke einer Musiktheaterproduktion bis hin zur Pressearbeit eingebunden.) Die Arbeit wie die Aufführung in einem professionellen Setting mit dem Musikkollegium Winterthur kann als "once in al lifetime experience" bezeichnet werden, die nicht nur durch drei ausverkaufte Aufführungen, sondern auch durch einen nachhaltigen Bezug zum Musiktheater belohnt wird.

Video zu Fealan
Informationen auf der Internetseite des Regisseurs Gian Giannotti


Wanja, eine musikalische Wintererzählung (Traffik Theater Luxemburg)


"Wanja, eine musikalische Wintererzählung" ist ein Musiktheaterstück mit Puppen für Kinder von 5-8 Jahren und Erwachsene. Ausgehend von der Bilderbuchgeschichte "Es klopft bei Wanja in der Nacht" (Tilde Michels und Reinhard Michl) suchte das Traffik Theater Luxemburg nach einer Umsetzung auf der Theaterbühne.



Ein Erzähler und Puppenspieler sowie 4 Musiker, die nicht außerhalb des Spiels musizieren sondern direkt in das Spiel integriert sind. Jedes Tier aus der Geschichte wird durch eine Puppe dargestellt und ist mit einem Instrument verbunden. In der Verbindung von zeitgenössischer Musik, choreografischer und theatraler Elemente entsteht anspruchsvolles Musiktheater, dem es gelingt, junge Menschen in den Bann seiner Geschichte zu ziehen.

Das Niveau der musikalischen Umsetzung der Werke von Ligeti und Sciarrino, die allesamt von den Musikern auswendig gespielt und in das Musiktheaterstück stimmig intergriert werden, steht überzeugend für den Ansatz, Musik zu einem vollwertigen Bestandteil des Bühnenstücks zu erklären. Dass die Musiker zudem als Schauspieler in das Stück eingebunden sind, schafft Nähe zum Publikum und ist authentischer Bestandteil des Vermittlungskonzeptes von "Wanja".

Informationen und pädagogisches Material zu "Wanja" auf der Seite des Traffik Theaters


junge ohren preis "Musik & Medien"

Der junge ohren preis in der Kategorie "Musik & Medien" geht an das Ensemble "Das Tetete" und die Zeitgenössische Oper Berlin. Eine Sonderauszeichnung erhält der WDR für das Internetangebot "Klangkiste".

Bienenkino (Ensemble "Das Tetete", Österreich)

Das Format "Bienenkino" versucht ein junges Publikum durch gänzlich improvisierte Live-Animationen in Wort, Bild und Musik anzusprechen und zugleich herauszufordern. Die Mitglieder des Ensembles wissen beim Betreten der Bühne ebensowenig wie ihr Publikum, wohin genau die musikalische Reise gehen wird. Einzig bekannt sind die Mittel: Musik, Erzählung, Zeichnung und Animation. Geschichten und Charaktere werden teilweise frei erfunden, teilweise wird aus dem reichen Schatz des gemeinsam erarbeiteten "Tetete-Universums" geschöpft. Ein wesentlicher Bestandteil ist das "Tagtool", ein selbst entwickeltes Instrument zur kollaborativen Animation, das das Arbeiten ohne vorbereitetes Viedomaterial möglich macht. Die Musik ist beim "Bienenkino" ein gleichberechtigtes Element im Zusammenspiel mit Erzählung und Visuals.



Einer durchaus alten künstlerischen Idee wird hier mit neuen Medien neues Leben eingehaucht. Malerei, Musik und Sprache kommen beim "Bienenkino" kongenial zusammen. Opulente, sinnliche Bilder treffen auf improvisierte Musik und einen leidenschaftlichen Geschichtenerzähler und Sprachakrobaten. Eine imaginäre Bilderwelt, die die Musik nicht funktionalisiert sondern als Protagonisten einbindet. Eine Herausforderung
sowohl für die Ohren als auch für die Phantasie. Ein Fest der Emotionen und überzeugendes Gesamtkunstwerk.

Bienenkino Video
Internetseite "Das Tetete"
Mehr Informationen zum "Tagtool"


Error 90/91 (Zeitgenössische Oper Berlin)

Auf Anregung der Patenschaftsinitiative "Künste & Schulen" der Offensive Kulturelle Bildung in Berlin entstand im März 2008 eine Kooperation zwischen der Zeitgenössischen Oper Berlin und dem Berliner John-Lennon-Gymnasium. Es entstand die Idee, einen Opernclip mit zeitgenössischer Musik zu erarbeiten.
Betreut durch das künstlerische Team der zeitgenössischen Oper sowie eine Musiklehrerin und einen Komponisten beschäftigte sich der sogenannte Ensemblekurs, bestehend aus 11 an Musik interessierten Schülern der 12. Klasse, mit der Themenerarbeitung und Ideenfindung.



Wichtigste Verabredung für das künstlerische Leitungsteam: sämtliche musikalische Ideen sollten der Phantasie und dem Können der Jugendlichen entspringen. Also keine konkreten Vorgaben von Seiten der Profis, außer der Bedingung, dass die Musik als Form der Neuen Musik erkennbar sein muss. Der Komponist Dietrich Eichmann regte die Jugendlichen zum Umgang mit den vielfältigen Mitteln der Neuen Musik und zum eigenen Komponieren und Musizieren an. Der Regisseur Enrico Stolzenburg unterstützte sie bei der Entwicklung und Umsetzung eines Inszenierungskonzeptes.

Der Clip wurde professionell produziert und in das Videoportal YouTube eingestellt. Der Videoclip "Error 90/91" bietet packende Einblicke in die Gefühls- und Alltagswelten junger Erwachsener und entwickelt darin große Strahlkraft und Mut zu außerordentlicher Direktheit. Mit starken, eindringlichen Bildern und einer eigenen Musiksprache entsteht ein äußerst anregender Diskurs durch jugendlichen Seelen mit garantiert langem Nachhall.

"Error 90/91" auf YouTube
Internetseite der Zeitgenössischen Oper Berlin



Klangkiste (WDR)

Das Projekt "Klangkiste" des WDR Köln (Hauptabteilung Orchester und Chor) ist ein Internetkonzept, das für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren entwickelt wurde.



Intention war die Entwicklung eines Angebotes, das Kinder auf einfache, spielerische und anschauliche Weise an Orchester-, Chor- und Jazzmusik heranführt. Sie sollen ein Vorstellung von der Entwicklung der Musik und deren Instrumenten bekommen sowie Einblick in die Struktur der Klangkörper. Hemmschwellen sollen garnicht erst entstehen, und wo werden die Musik und besonders die ausübenden Musikerinnen und Musikern, die man auf der Internetseite kennenlernen kann als Menschen wie "Du und ich" präsentiert.

Eine Internetseite, die man jedem Orchester nur wünschen kann. Witzig und passioniert wird mit dem Medium "Internet" in ansprechender Art phantasievoll in die Welt des Orchesters eingeführt - Neuentdeckungen und Erkenntnisgewinn garantiert. Die Macher setzen auf überzeugende Bilder und offene Ohren. Dabei nutzen sie alle denkbaren medialen Ressourcen und laden zu spielerischer Interaktion ein. Nach diesem lustvollen Orchesterparcours muss man ganz einfach die "Klangkiste" beiseite schieben und selbst ins Orchester gehen...

Die Klangkiste



Sonderauszeichnung "Junges Hören" der Strecker-Stiftung

Die Sonderauszeichnung "Junges Hören" geht an die Kinder Insel Hombroich und den Geräuschladen ohrenhoch in Berlin-Neukölln. Eine besondere Belobigung  erhält die Stiftung Zuhören für ihr Konzept der "Hörclubs".

Hörschule im Rahmen der "Konzerte für Kinder" (Kinder Insel Hombroich)

Die "Hörschule mit Theo Nabicht" fand im Rahmen der "Konzerte für Kinder" im Kindergarten Kinder Insel hombroich statt. Ziel des 5-tägigen Workshops war es, die Kindergartenkinder an die eigentliche Erfahrung des Hörens heranzuführen.



In Expeditionen über das Gelände des Museum Insel Hombroich erforschten die Kinder zusammen mit dem Musiker und Komponisten Theo Nabicht die Klangwelt der Natur- und Kunsträume. Sie versuchten dem Wind in den Blättern der Bäme und dem Quaken der frösche auf die Spur zu kommen, verglichen den Klang eines zerbrechenden Holzstöckchens den Kratzgeräuschen an einer Eisenskulptur gegenüber. Sie bauten sich Hörrohre um tief in eine Hecke zu horchen und erforschten auch ihr Kindergartenhaus auf seine Resonanzen. Immer wieder führte der Prozess vom Hören zurück in die Stille. Bemerkenswert nachzuvollziehen ist auf der Filmdokumentation des Workshops, wie sich in den beiden rahmenden Konzerten das Hörverhalten der Kinder und ihre Aufmerksamkeit für Klänge wandelt.

Informationen zur Kinder Insel Hombroich
Museum Insel Hombroich
Beitrag der Sendung Tonart (WDR) zur Kinder Insel Hombroich

Regenwurmstadt & Maulwurfgarten (ohrenhoch-Kids des Geräuschladen ohrenhoch, Berlin)
Ausgangspunkt für "Regenwurmstadt & Maulwurfgarten" war das Thema "Humus" des diesjährigen Festivals 48 Stunden Neukölln. Es gab im Verlauf des Arbeitsprozesses die unterschiedlichsten Ideen, es fand unter den ohrenhoch-Kids ein lebhafter und phantasievoller Prozess statt, der sich thematisch in unterschiedlichsten Richtungen entwickelte und zu dem Titel führte.



"Regenwurmstadt & Maulwurfgarten" ist in zwei Ebenen konzipiert: die Regenwurmstadt im ohrenhoch-Schaufensterraum und der Maulwurfgarten im Keller. Im Schaufensterraum begnet der Besucher der "Regenwurmstadt" am Boden. Sie besteht aus verschiedenen aus Abfallmaterialien gefertigten Regenwurmstadt-Gebäuden und wird mit mp3-Player und mit leicht umfunktionierten Kopfhörern betrieben.



Es sind für die ohrenhoch-Kids konkrete Gebäude, mit Namen versehen wie: eine Fabrik, eine Krankenstätte "aus eins wird zwei", ein Regenwurmrathaus mit einer Auto-Tiefgarage, eine Regenwurmgeisterbahn u.a. In den einzelnen Objekten sind Kopfhörer als kleine Lautsprecherchen installiert, die es ermöglichen, den Klangwelten, die die Kinder für die jeweiligen Gebäude kreiert haben, zu lauschen. Wenn auch zum Teil die Gebäude der Regenwurmstadt, zum Beispiel die Polizeistation oder das Rathaus, reale alltägliche Dinge sind, so weist der Prozess der ohrenhoch-Kids in "Regenwurmstadt" viele visionäre Ebenen auf, die sie im Rahmen ihrer kreativen und behutsam durch den Soundkünstler und Komponisten Knut Remond angeleiteten Arbeit, selbständig umsetzen konnten.

Im Keller, der verdunkelt ist, geht man sozusagen in die Erde hinunter. Dort befindet sich der Maulwurfgarten. Der Maulwurfgarten besteht aus einer Kiste mit einem Auto-Bassbooster-Lautsprecher, der zugedeckt ist mit Erde.

Profil des Geräuschladens ohrenhoch auf jungeohren.com
Internetseite von ohrenhoch


Hörclubs (Stiftung Zuhören)
Mit dem Konzept der "Hörclubs" richtet sich die Stiftung Zuhören an Kindergärten, Schulen aller Art, Jugendeinrichtungen sowie Mehrgenerationenhäuser etc. Die Einrichtung eines "Hörclubs" ist einfach: man bestellt bei der Stiftung zuhören das notwendige Material in Form der "HörSpielBox". Diese bietet vielfältige Anregungen, die Zuhörfähigkeit von Schul- und Kindergartenkindern zu entdecken und zu schulen. Im Baukastensystem kann jeder ein individuelles Materialpaket für die jeweilige Zielgruppe zusammenstellen. Das Basisset enthält didaktische Anregungen, praktische Beispiele, wie Hörclubs durchgeführt werden können sowie Erfahrungsberichte von Pädagogen. Vielfältige Hör- und Spielanregungen runden die Sammlung ab.



Ein Hörclub findet typischerweise einmal wöchentlich im Rahmen einer Förderstunde oder des sonstigen Betreuungsangebotes statt, jedoch immer häufiger auch im Rahmen des Regelunterrichts. Bundesweit gibt es mittlerweile über 1.600 Hörclubs. Für die Hörclubbetreuer (Lehrkräfte, Pädagogen, Eltern und Großeltern) bitete die Stiftung Zuhören Fortbildungen und Fachtagungen an.
Internetseite der Stiftung Zuhören


Die Verleihung des junge ohren preis wurde gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Partner und Förderer des junge ohren preis sind die die Initiative Hören und WDR 3, die Deutsche Orchesterstiftung, die Strecker-Stiftung und die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) sowie Deutschlandradio Kultur als Medienpartner.